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„38. Theaterring – tobender Applaus bei The Who and the What“

THE WHO AND THE WHAT
Großartiger Auftakt des 38. Theaterrings im neuen Jahr


Die Begegnung mit gleich zwei fremden Welten gab es für das Publikum des Theaterrings im Kurtheater: Der ursprünglich aus Pakistan stammende Taxiunternehmer Afzal lebt mit seinen zwei Töchtern Zarina und Mahwish in den USA und versucht sie dort, mitten im christlichen Amerika, streng nach seinem muslimischen Glauben zu erziehen. 

Dazu gehört für ihn ganz selbstverständlich, dass er es ist, der ihre Ehepartner aussucht. Und es muss auch erst die Ältere, Zarina, unter der Haube sein, bevor die Jüngere ihren Sandkastenfreund endlich heiraten darf. Das klingt nach Shakespeares „Zähmung einer Widerspenstigen“ und auch der wohlmeinende Vater Afzal hat eine ältere Tochter, die sich den väterlichen Verkupplungsversuchen ebenso heftig widersetzt wie jene Widerspenstige. Zarina ist eine selbstbewusste, dem väterlichen Zugriff völlig entwachsene junge Frau, hat ihr Studium in Havard mit Bravour absolviert. Doch glaubt der Vater unbeirrt, er müsse für einen Mann für sie sorgen und durchsucht als technisch versierter amerikanischer Taxiunternehmer zu diesem Zwecke heimlich Datingportale im Internet. 

Ihr Vater findet schließlich Eli, einen zum Islam konvertierten Christen und absolut toleranten Imam. Afzal hält ihn für seine Entdeckung, doch kennt sie ihn von einer zufälligen Begegnung. Beim vom Vater arrangierten Treffen kommen sie sich näher und sie leiht ihm ihr geheimes Buch, an dem sie seit Jahren arbeitet. Durch seine Unachtsamkeit findet der Vater das Buch und seine Welt bricht zusammen. Für ihn ist das Buch reine Blasphemie, da Zarina sich seit Jahren mit dem Leben des realen Mohammed auseinandergesetzt hat und aufzeigt, wie wenig sich das Gefundene mit ihren Erwartungen an ihre Religion vereinbaren lässt. 

Vor allem kritisiert sie, wie Mohammed aus zufälligen Begebenheiten die Instrumente der Unterdrückung der Frauen, vor allem das Schleiertragen ableitet. Schwester Mahwish erkennt auch, dass sie den vom Vater für sie Bestimmten nicht liebt. Afzals Familie ist völlig zerrüttet; als Zarina mit ihrem Mann wegzieht, ist er mit Mahwish allein. 

Da Autor Ayad Akhtar aber die fast an ein bürgerliches Trauerspiel gemahnende Handlung mit viel Humor erzählt hat, ist auch das Ende nicht völlig negativ. In dem funktionalen Bühnenbild von Anja Furthmann vor einem riesigen orientalischen Teppich schafft es Regisseur Felix Prader, Afzals Familie durchweg als sympathisch, auch den verbohrten Vater als liebenswert zu zeigen. Adrienne von Mangoldt ist als Zarina die selbstbewusste intellektuelle Muslima im Gegensatz zu Noelle Haeselings fügsamer Mahwish, die am Schluss auf der Strecke bleibt.

Sven Scheele ist Afzals Idealschwiegersohn, aber fest in seiner Loyalität zu Zarina. Ganz ausgezeichnet waren schon diese Rollen besetzt, aber das sensationelle Zentrum des Geschehens war Hansa Czypionka als Afzal, der trotz seiner Glaubensrigorosität den liebevollen Vater immer aufscheinen ließ, dem man am Schluss gönnte, dass auch er seinen Frieden machen konnte, mit seiner zerstörten Familie. Eine sensationelle, gut durchdachte und getaktete Inszenierung mit großartigen Schauspielern, die das Theaterringpublikum mit immer neuem tosendem Beifall immer wieder auf die Bühne holte.